Die, die, die my Darling
20. 01. 2008 Mönchengladbach
Unsere TourMAMAgerin Kirsten hat dem Januar-Teil dieser Tournee den Namen „Explorer Tour“ verpasst, aus dem guten Grund, dass das VPT die Hälfte der Städte, trotz der über 10-jährigen Geschichte zum allerersten mal besucht. Auch hier in Mönchengladbach hat das VPT noch nie vorher gespielt. Umso überraschter und erfreuter sind wir über ein prall gefülltes, riesengroßes Kunstwerk, so der Name des Spielortes.
Als wir nach einer erfolgreichen Show, in der wir, dem Applaus nach zu urteilen, eine Menge neuer Freunde dazu gewonnen haben, angemessen euphorisiert in unseren Bus steigen, trifft uns alle das dort vorgefundene Szenario wie ein Schlag in die Magengrube…
An dieser Stelle muss ich wohl etwas ausholen, um einen Einblick in unser Tourleben zu geben, ohne den das Verständnis des nun folgenden Kriminalfalles nahezu unmöglich wäre:
In unserem Nightliner befindet sich eine eigene, kleine Kneipe. Um genau zu sein handelt sich es lediglich um eine kleine Küchenzeile oder, noch genauer, um eine küchenähnliche Arbeitsfläche mit darüber angebrachten offenen Regalen für Gläser, Flaschen und anderes Zeug. Wenn man ein bisschen was getrunken hat und auch sonst nicht ganz richtig im Kopf ist (was auf alle Mitglieder des Vollplaybacktheaters ganz sicher zutrifft), kann man sich, steht man an dieser Küchenzeile, ganz gut einbilden, man befinde sich am Tresen einer kleinen Eckkneipe.
Die Bedienung ist zwar nicht zu sehen; wenn man die Augen (oder wenigstens ein Auge) ein wenig unscharf stellt, kann man sich aber auch vorstellen, die Dame (wir haben sie einfach mal Anita getauft) sei nur mal gerade eben runter in den Keller um neues Bier zu holen oder hinten im Laden um die Ecke gebogen, um einem ungeheuer gut aussehendem Gast mit Latino-Herkunft schöne Augen zu machen.
Diese buseigene Kneipe mit dem schönen Namen „Sorgenkotzer“ (fand schon kurze Erwähnung im Tagebucheintrag zu München) existiert nun also schon, seit wir Anfang Dezember in Hamburg gastiert haben.
Als wir heute Abend jedoch unser Hotel auf Rädern betreten, schlägt die Stimmung plötzlich um, und blankes Entsetzen macht sich breit. Der Tresen unserer Kneipe ist mit offiziellem „Crime-Scene“ Klebeband aus der aktuellen Fix & Foxi abgesperrt. Am Gläserregal hängt eine kurze, handschriftliche Notiz, die verkündet, dass Anita nach langer, schwerer Krankheit plötzlich verstorben sei und der „Sorgenkotzer“ bis auf weiteres geschlossen bleibe.
Der Schock sitzt tief. Anita, wir haben dich alle sehr geschätzt, auch wenn wir dich eigentlich nie zu Gesicht bekommen haben! R.I.P.
SupaKnut macht sich sogleich an die Ermittlungen zum Todesfall Anita. Steckt der von uns so ungeliebte Latino dahinter, der der Wirtin den Kopf verdrehte? Hatte Dschamilla, ihre Aushilfe aus Vorder-Sibirien (die sich wenigstens ab und zu um die Gäste bemühte) damit zu tun? Oder war es einfach Zeit für Anita dieser Welt den Rücken zu kehren?
Wir wissen es nicht. Für heute bleibt uns nur die Trauer….
Bisbald, Euer Christoph
Foto: Christoph Landwehr

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