Zappenduster

17.05. Herford X

Ein Freund von mir hat einen wahren Satz geprägt: „Haste Scheiße an den Fingern, haste Scheiße an den Fingern.” Will heißen: es gibt Tage an denen einfach Alles schief geht und du nichts dagegen tun kannst. So ein Tag scheint das heute zu sein.

Das X in Herford ist eine Großraumdisco, die nach einem kleinen Intermezzo mit dem VPT natürlich auch wieder als solche genutzt werden soll. Wir planen also pünktlich anzufangen und aufzuhören. Schließlich warten nach unserer Show schon hunderte von vornehmlich schwarz gekleideten Menschen darauf, ihre in stundenlanger Kleinarbeit hergerichteten Frisuren und Outfits auszuführen.

Aber mit dem pünktlich Anfangen ist das heute so eine Sache. Kurz vor dem geplanten Einlass ist nämlich das Videosignal für die Projektionen und Filme verschwunden und hat sich so gut versteckt, dass es sich gar nicht wieder finden lassen will. Erstmal kein Problem denkt man sich. Schließlich haben wir ja alle Ahnung von Technik. Doch selbst den Hampelmännern vom VPT wird nach und nach klar, dass jetzt nicht mehr der Zeitpunkt ist um den Techniker mit selbst erdachter Technikersprache zu erfreuen. Denn selbst der hartgesottene Eddy wird nach jeder vergeblich überprüften möglichen Fehlerquelle nervöser. So schlawenzeln wir also betont entspannt (wir sind ja Schauspieler) um die Bühne herum, verfolgen dabei jedoch natürlich jede Reaktion der Technikcrew und lassen uns schließlich alle von der Nervosität anstecken.

Die Zeit wird knapper. Vor der Halle drängen sich die Leute, die unsere Karten gekauft haben und wissen nicht, dass die Show auf Messers Schneide steht. Dann plötzlich aufgeregte Rufe des Technikers. Da scheint sich was zu tun. Jetzt nur noch schnell den neuen Adapter am Videobeamer anbringen. Eddy beeilt sich auf die Bühne zu laufen, verschwindet hinter der Kulisse. Alle warten auf das erlösende Bild auf der Leinwand, und dann: „Aaaahhh! Sch….e!!” Was denn? Ist doch alles gut. Das Bild ist nämlich tatsächlich da. Aber in der Eile und Hast hat Eddy sich hinter der Bühne das Knie verdreht, und da dieses Knie bereits eine längere Krankheitsgeschichte hinter sich hat, tut das wohl mal so richtig weh.

„Haste Scheiße an den Fingern, haste auch Scheiße am Knie.” Geht es mir durch den Kopf. Was nun? Arzt rufen? Show absagen? „Nix da!” Sagt Eddy und zwängt sich humpelnd hinter das Technik-Pult. „Einlass!” Also doch. Puh, das war knapp. Die Zuschauer strömen herein, vom ebenfalls strömendem Regen draußen zum Teil völlig durchnässt und trotzdem offensichtlich gut gelaunt. Mit leichter Verspätung kann die Show losgehen. Der Abend scheint gerettet. Das Adrenalin weicht der Spielfreude und Herford rockt mal wieder. Und zwar genau bis zur Pause.

Wenige Sekunden nachdem der Zweite Teil begonnen hat, wird es nämlich verdächtig dunkel auf der Bühne. Ja, werdet ihr jetzt sagen, da ist der Videobeamer wohl doch wieder ausgefallen. Nee, isser aber nicht. Der Beamer ist das einzige was noch läuft. Das gesamte Bühnenlich hat sich dafür verabschiedet. In dem Moment sitzen Will Mallmann und John Sinclair gerade im Auto und beginnen fieberhaft zu überlegen, wie man die Szene retten kann. Wird ja sicher sofort wieder da sein, das Licht…

Nichts da. Kein Licht und zwar für die nächsten 25 Minuten! Gott sei dank sind wir nicht zum ersten mal in Herford, sondern haben hier wirklich ein treues und sehr, sehr wohlwollendes Publikum, das jeden Mist mitmacht. Und so kommen die Leute heute Abend in den Genuss, einen wirklich (hoffentlich) einmaligen Abend mit dem VPT zu verbringen, an dem David die nächsten 25 Minuten aus dem Stehgreif im Halbdunkel eine Stand-up-Comedy-Show auf die Bühne zaubert, die dem Publikum beinahe ebenso zu gefallen scheint wie das unterbrochene Sinclair-Stück. Hut ab, Herr Kollege!!

Und dann geht alles ganz schnell. Das Licht ist plötzlich wieder da, David, dem schon Schweißperlen vom Witzereißen auf der Stirn stehen, kommt zurück hinter die Bühne, und wir starten noch mal den zweiten Teil, der es diesmal glücklich bis zum Ende schafft.

Was für ein Abend! Das scheinen sich auch die Zuschauer zu denken und verabschieden uns mit tosendem Applaus. Danke für die Geduld, Herford!

Jetzt dürfen auch die samstäglichen Discobesucher rein und wir sind froh den Abend überstanden zu haben. Na, wenigstens hab ich jetzt was fürs Tourtagebuch.

Bleibt anzumerken, dass Eddy die restliche Tour mit zusammengebissenen Zähnen auf eine Krücke gestützt überstehen wird, was ihm, mit seinem nordischen Tonfall und dem verwegenen rötlichen 8-Tage-Bart einen echten Käpt´n Ahab-Charme einbringt.

Bisbald, Euer Christoph

Bühnenfoto: Cathrin Kruse

~ von vollplaybacktheater am Samstag, 17. Mai 2008.

3 Antworten to “Zappenduster”

  1. Wie er heisst Eddy, ich dachte Ursus, eh oder Jörg-Bruno… Ach egal, das Unheil hat so viele Namen. Super Story! Armer Eddy. Na wenn die Show nicht cool war.
    Alex

  2. Und das ist der Grund,warum ich mir das Vollplaybacktheater
    IMMER im x angucke!!! Man stelle sich mal vor,das Ganze
    wäre in Bielefeld in der Oetker-Halle passiert…
    Ich hätte 1.David nicht mal ansatzweise gesehen und
    2. niemals ein supergeiles Uralt-Fan-Shirt gefangen und
    3. mir nicht während der “Pause” mein 3.Weizen organisieren können.Ich nehm auch ne Panne am 09.11. gerne wieder in Kauf!!
    Björn

  3. ok björn, wir geben uns mühe die show am 9. 11. mal so richtig gegen die wand zu fahren….

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