Diese drei Sänger aus Barcelona
25. & 26.01. Nürnberg Hirsch
Über Nürnberg kann man viel erzählen. Da wir zwei Tage hintereinander hier gastieren, haben wir viel Zeit uns die Stadt anzuschauen. Thorsten und ich jedenfalls, denn während die anderen im Tourbus den halben Tag verschlafen, haben wir uns heute mal den Wecker gestellt und fahren mit dem Linienbus in die Innenstadt, in der es viel zu sehen und zu erleben gibt.
Wir sehen uns die historische Altstadt an, essen mittags beim feinen Italiener direkt am Hauptmarkt, besichtigen die Frauen- und die St. Sebalduskirche (Ja, was denkt ihr denn?), probieren ein paar Lebkuchen, gehen zwischendurch sieben (!) Stockwerke unter der Erde in ein riesiges Kino (mein erster 3D-Film seit ich mit 12 Jahren im Kuppelkino im Safaripark Stukenbrock war), genießen danach bei feinstem Sonnenschein den Ausblick vom Turm der großartigen Kaiserburg und verköstigen schließlich selbstverständlich einige original Nürnberger Rostbratwürstel, bevor wir zurück zum Hirsch fahren.

Über den Hirsch, einen altbekannten Rockschuppen etwas außerhalb des Stadtzentrums, kann man auch viel erzählen.
Die Bühne ist klein. Sehr klein. Also ungefähr so wie in Fulda. Hier gibt es allerdings rundum nicht einmal Abstellmöglichkeiten für unsere Requisiten, so dass während der Show direkt hinter dem Bühnenbild, das in der kleinsten überhaupt noch möglichen Version aufgebaut ist, alles mit unserem Kram voll gestellt ist. Am Nachmittag üben wir ein paar mal das Rein- und Raustragen der Requisiten, damit wenigstens der Rest vom Bühnenbild stehen bleibt.
Und tatsächlich funktioniert dann die Show auch hier sehr gut. Die Leute sind begeistert. Jedenfalls die meisten. Denn auch über das Nürnberger Publikum kann man viel erzählen:
Da ist zum Beispiel dieses Pärchen, das vor dem Auftritt zu unserem Stand kommt und mir erzählt, dass es heute zum ersten mal beim VPT sei. Das Mädel ist total aufgeregt und offensichtlich voller Vorfreude, was mich natürlich auch freut, und der Typ kauft sofort für beide unser Tour-T-Shirt, das er „total geil“ findet, was natürlich auch unseren Merchandiser Thorsten freut.
Der erzählt uns dann nach der Show allerdings, dass eben dieses Paar bereits 20 Minuten nach Beginn wutschnaubend den Saal verließ mit der Bemerkung, das wäre ja wohl der größte Scheiß gewesen und die T-Shirts würde man dann eben verschenken. Ups..! Das passiert zwar nicht oft, aber ab und zu gibt es eben immer noch so genannte „Fans“ der drei lustigen Detektive, die eben genau das Lustige nicht sehen wollen. Zum Glück sind die anderen Nürnberger da wesentlich humorvoller – wenn auch nicht weniger skurril.
Am selben Abend steht nähmlich vor der Show eine ältere Dame vor mir. Sie hat sich für den Abend augenscheinlich extra schick gemacht, trägt ein schwarzes Mäntelchen, hat die ergrauten Haare elegant zu einem strengen Zopf zurück gebunden und die Lippen knallrot geschminkt. Ein wenig divenhaft sieht sie aus und es ergibt sich folgendes Gespräch:
Sie: Junger Mann, entschuldigen Sie, könnten Sie mir vielleicht bitte mal sagen, was das hier heute Abend eigentlich ist?
Ich: Aber natürlich! Also sie sehen heute Abend hier das Vollplaybacktheater. Sie werden gleich in der Show das Original-Hörspiel zu einer bekannten Jugendbuchserie hören, in der es um drei Nachwuchsdetektive geht. Dazu spielen die Akteure auf der Bühne, ohne ein Wort zu sprechen, also vollplayback. Das ganze wird um einige Witze und Anekdoten angereichert und dauert ca. 2 Stunden.
Sie: (irritiert) Aha. Na, ich weiß nicht. Ich glaube nicht, dass ich das aushalte. Ich denke, wir werden nach einer halben Stunde einfach wieder gehen.
Ich: Na, jetzt gehen Sie doch einfach erstmal rein. Ich verspreche Ihnen, das wird lustiger, als sie es sich im Moment vorstellen.
Sie: Ach, wissen Sie, junger Mann, ich glaube, mein Mann hat sich da irgendwie vertan, als er die Karten gekauft hat. Wir wollten nämlich zu diesen… naja… hier, wie heißen die noch gleich… diese drei, na, die aus Barcelona, diese drei Sänger.
Oha! Ja, da hatte sich ihr Mann wohl in der Tat irgendwie vertan. Die beiden wollen doch tatsächlich heute Abend im Rockschuppen „Hirsch“ in Nürnberg den glockenhellen Stimmen der drei Tenöre lauschen. Ich überlege noch, ob ich der Dame verraten soll, dass Luciano Pavarotti erstens nicht aus dem spanischen Barcelona stammt und zweitens seit zwei Jahren unter der Erde liegt, spare mir das dann jedoch und sehe ihr nach, wie sie verunsichert mit dem Kopf schüttelnd in den Saal zu ihrem Mann geht, der jetzt wahrscheinlich eine ordentliche Abreibung bekommt. Seltsamerweise sieht Thorsten diese beiden nicht während der Show aus der Halle gehen. Also haben sie sich wohl entweder so sehr der heiteren Menge angeglichen, dass sie nach dem Abend beim Rausgehen nicht weiter auffallen, oder sie sind vor Gram über das Ausbleiben ihrer Lieblings-Arien zu Staub zerfallen.
Und dann ist da noch Familie Bauer, die ebenfalls bereits vor unserem Auftritt an unserem Stand erscheint, um sich die Auslage anzusehen. Nebenbei erzählen die Vier, das sie große Fans sind, seit sie im letzten Jahr unsere Vorstellung von „John Sinclair – das Horror-Schloß im Spessart“ gesehen haben.
Familie Bauer, das sind Mutter und Vater Bauer und die beiden Söhne. Und besonders dem jüngsten des Clans, Josua, genannt Joe, hat es unser Geisterjäger angetan. Er erscheint mit Original Sinclair-Perücke und freut sich den Wolf, gleich unsere neue Show zu sehen. Die Perücke hat er zusammen mit seiner Mutter nach genauer Anweisung von SupaKnut, der im letzten Frühjahr von der Familie zu diesem Thema interviewt worden ist, detailgetreu aus Gipsbinden, Spüllappen und gelben Gummihandschuhen gebastelt. Mutter Bauer hat noch immer jede Menge Brandblasen vom Heißkleber an den Händen (wie Knut übrigens auch ständig), aber die Arbeit hat sich restlos gelohnt. Joe sieht tatsächlich aus wie der fleischgewordene Enkelsohn des Lichts, kann jede Bewegung unseres Sinclair inklusive Begrüßungsritual mit Will Mallmann imitieren und sieht dabei einfach verteufelt cool aus!
Den Eltern an dieser Stelle mal ein Kompliment für die pädagogische Weitsicht ihre beiden Söhne frühzeitig an ein Leben mit dem VPT zu gewöhnen!!
Nach der Show machen die beiden Sinclairs natürlich noch ein paar Erinnerungsfotos. Solche Familientreffen sind schließlich selten. Und zum Glück sind neben den Bauers auch die allermeisten anderen Zuschauer von unseren Gastspielen im Hirsch restlos begeistert.
Man, Man, über Nürnberg kann man echt viel erzählen…
Bisbald, Euer Christoph


Eine Antwort schreiben