Kojen, Schweiß und Körperwelten

24.05. Berlin Postbahnhof

Schon seit ein paar Tagen haben wir Kaiserwetter. Das ist zwar schön, weil man endlich wieder mit kurzen Hosen und T-Shirt rumlaufen kann, bedeutet aber auch, dass man nicht mit einem großen, dunkelblauen Bus durch die Gegend fahren und schon gar nicht darin schlafen sollte.
Das Vollplaybacktheater fährt übrigens mit einem großen, dunkelblauen Bus durch das die Gegend. Und schläft auch darin. Dumm das, denn wenn es draußen im frühlingsverwöhnten Deutschland wunderbar angenehme 26 Grad hat, kann man in der Mittagszeit in unseren Kojen gerne mal gefühlte 70 Grad erleben. Da der Mittag unsere bevorzugte Aufstehzeit ist, wacht man dann grundsätzlich in einem Zustand auf, der sich innerlich völlig verdörrt anfühlt, äußerlich befindet man sich aber in vom Schweiß durchnässter Bett- und Nachtwäsche. Hmm… Herrlich!

Wie gesagt, die Witterung hält schon ein paar Tage an, und so langsam lernt man daraus. Das heißt also zeitig Aufstehen, bevor der Bus Sahara-Temperatur erreicht.
Wenn man das tut, hat man als VPT-Spieler plötzlich verdammt viel Zeit. Da trifft es sich doch, dass im angrenzenden Gebäude heute eine interessante Ausstellung zu bewundern ist.

Es handelt sich um die „Körperwelten“. Ich hab die Ausstellung noch nie gesehen, obwohl die ja nun schon seit Jahren im ganzen Land gastiert und irgendwie auch schon lange nicht mehr so umstritten diskutiert wird, wie zu Anfang. Hier in Berlin ist die Diskussion jetzt wieder ein bisschen aufgeflammt, weil jetzt zum ersten Mal nicht nur echte, geschälte Tote sondern auch echte, geschälte Tote beim Sex gezeigt werden. Na, mal sehen.
Zunächst mal muss ich feststellen, dass die Toten in der Ausstellung genau so aussehen wie die Plastikmodelle früher im Bio-Unterricht in der Schule bei denen man die Organe rausnehmen konnte. Und die hier darf man nicht mal anfassen. An jeder Ecke sind so sinnige Sprüche a la „Carpe diem“ und „Bedenke: auch du bist vergänglich!“ angebracht. Der einzige „Akt“, ganz zum Schluss des Rundgangs, ist nicht spannender als die anderen ausgestellten Leichen. Einiges ist ganz interessant zu sehen, aber schockiert oder gegruselt bin ich nicht.
Das heißt, ein kleiner, kalter Schauer läuft mir doch den Rücken herunter, und zwar bei dem Anblick eines Plakats mit dem Porträt des Ausstellungsmachers Gunther von Hagens. Der ist echt gruselig, finde ich und würde 1 A in ein John Sinclair-Hörspiel passen, so als verrückter Professor mit Hut, der, nachdem er seine Opfer ausgesaugt hat, diese in seinem Keller zu Ausstellungsstücken umwandelt, die er dann in der ganzen Welt herumzeigt, ohne dass jemand merkt, dass er die alle selbst um die Ecke gebracht hat – weil das einfach zu offensichtlich wäre.

Sinclair: Gib auf von Hagens, Du hast keine Chance!

von Hagens: Das ist ja lachhaft, Geisterjäger. Deine Silberkugeln können mir nichts anhaben. Ich werde dich wie all die anderen lausigen Kreaturen aussaugen und plastinieren und anschließend in einer unwürdigen Haltung zusammen mit einem gehäuteten Hund in meiner nächsten Ausstellung zur Schau stellen. Dort sollen die anderen lächerlichen Sterblichen über dich Lachen und dich bespucken. Denn ich bin von Hagens, der dunkle Künstler-Doktor, der die ganze Welt ins Elend stürzen wird, har, har, har!!!

Sinclair: Michael, Gabriel, Raffael, Uriel!

von Hagens: AAAAAhhhhhrghneeeiiinuuuuaaaaarrrrh!!!

Ui, ich glaub, ich schick dem Herrn Dark mal ein Manuskript….

Bisbald, Euer Christoph

~ von vollplaybacktheater am Sonntag, 24. Mai 2009.

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