Reif für die Insel

10. & 11.07. Sylt Meerkabarett

Zwischen dem vorgestrigen Auftritt in Lübeck und den beiden anstehenden Shows auf Sylt hatten wir gestern einen Off-Day, den wir dank günstiger Wohnlage unseres geschätzten Tourleiters Jesper und unserer TourMamagerin Kirsten auf deren Anwesen in der Nähe von Bad Segeberg verbringen konnten. Hier gibt es alles, was man für einen freien Tag braucht: Wiesen, Weite, Sonne, Tiere und einen Tourleiter, der auch außerhalb fester Arbeitszeiten dazu bereit ist, uns nach Strich und Faden zu verwöhnen.

Gut Kirschen essen mit dem Vollplaybacktheater

Gut Kirschen essen mit dem Vollplaybacktheater

Schon mal unter freiem Himmel, mit Blick auf eine Herde junger Pferde und unter den Augen eines Kreise ziehenden Seeadlers Frühstück serviert bekommen? Wir schon…!

Die Fahrt nach Sylt ist dann natürlich an sich schon ein Abenteuer. Man kann ja nur per Autozug rüber, wenn man nicht gerade über einen eigenen Helikopter verfügt, und auf den sparen wir noch ein bisschen.

Auf der Insel der Reichen und schönen angekommen schauen wir uns erstmal das Meerkabarett an. Eine für die Sommermonate zur Veranstaltungshalle umdekorierte Werkshalle eines Mineralwasserherstellers erwartet uns. Das hört sich aber weniger glamourös an, als es tatsächlich ist. Die Veranstalter haben sich erfolgreich alle Mühe gegeben, aus der Halle ein echtes Kabarett zu zaubern. Die Zuschauer betreten den Raum durch einen hübschen Zelteingang inklusive rotem Teppich und sitzen zumeist an kleinen Tischen, an denen sogar gespeist werden kann. Als Highlight gibt es hier „Original Dönninghaus Currywurst aus Bochum“ zu bestellen (ich fühl mich gleich ganz heimisch!), die Bühne ist groß genug und gut ausgestattet, und wir beginnen gut gelaunt mit dem Aufbau.

Genau wie Lübeck ist auch Sylt Neuland für das VPT, und wir sind natürlich gerade hier gespannt auf das Publikum. Immerhin sind wir gleich für zwei Abende gebucht, und es stellt sich für uns die Frage, ob eigentlich genug Sylter auf der Insel sind, um die Zuschauerränge zu füllen. Und tatsächlich bietet sich uns heute ein etwas ungewohntes Bild als der Einlass beginnt. Denn hier kommen nur wenige Leute, die wir als VPT-typisches Publikum bezeichnen würden. Die meisten Gäste sind Urlauber, die sich vermutlich kurzfristig überlegt haben heute Abend etwas zu unternehmen und eher zufällig auf uns gestoßen sind. Viele Kinder mit ihren Eltern sind da, aber auch überdurchschnittlich viele ältere Herrschaften, und die wenigsten wissen, was sie heute zu erwarten haben. Wir eingeschlossen.

Als die Show dann losgeht merken wir den Unterschied deutlich. Das Publikum wartet sehr ab. Am Ende einer Szene wird höflich applaudiert, ansonsten ist es ziemlich still im Saal. Doch nach und nach scheinen die Zuschauer das Konzept Vollplaybacktheater zu durchschauen. Die Stimmung wird im Laufe der ersten Hälfte immer besser und spätestens nach der Pause wissen wir, dass wir viele neue Freunde dazugewonnen haben. Eine ältere Dame, die in der ersten Reihe sitzend am Anfang der Show noch sehr misstrauisch dreinblickt, versichert uns nachher, dass sie noch nie im Theater so viel gelacht hätte und der Schlussapplaus bestätigt, dass es vielen anderen ähnlich ergangen sein muss.

Gleich am Meerkabarett: Der Literaturautomat!

Gleich am Meerkabarett: Der Literaturautomat!

Wir übernachten heute ausnahmsweise im Hotel, obwohl uns das seichte Schaukeln unserer Buskojen schmerzlich fehlt. Am nächsten Morgen sitzen sechs durchgerockte Schauspieler zwischen zweihundert frischgeduschten rosa, hellblauen oder weißen Poloshirts mit hochgeklapptem Kragen und ernten pikierte Blicke. Wir haben den Sylter Dresscode einfach noch nicht verinnerlicht…

Das Wetter ist leider etwas durchwachsen, so dass sich nur die härtesten von uns in die Nordsee stürzen. Der Rest schaut sich die Insel an oder trinkt teuren Kaffee in Westerland bis wir uns am Abend zur zweiten Show wiedertreffen.
Das Publikum sieht heute ähnlich aus wie gestern, was auch daran liegt, dass teilweise dieselben Leute nochmal wiedergekommen sind. Das freut uns natürlich besonders, und tatsächlich ist die Stimmung heute von Anfang an hervorragend. Darauf kann man aufbauen. Mal sehen, vielleicht kommen wir nächstes Jahr ja wieder auf die Insel. Bis dahin sollte allerdings dafür gesorgt sein, dass man auch nach der Show noch irgendwo feiern gehen kann. Heute ist es nämlich nicht möglich, in der Nähe des Hotels auch nur noch ein einziges Bierchen aufzutreiben.

Na gut, sehen wir Morgen beim Frühstück eben etwas frischer aus als heute. Und immerhin haben wir Tags darauf ja auch eine verdammt lange Rückreise vor uns.
Länger als uns lieb ist und auch länger, als wir gedacht haben. Denn wer rechnet schon damit, dass uns mitten im Kamener Kreuz, nach stundenlanger fahrt und kurz vor dem Ziel der Sprit ausgehen würde? Wir jedenfalls nicht…
Also erstmal den ADAC anrufen. Dann kommt uns allerdings die Idee, dass man ja auch einfach die anderen Reisenden nach Diesel fragen könnte. Wie selbstverständlich halten nach nicht mal 3 Minuten 2 Kfz-Mechaniker (!) an, die nicht nur einen Formel 1 Wagen auf dem Anhänger, sondern auch einen mit 20-Liter prall gefüllten Dieselkanister dabei haben.

got diesel? got diesel!

got diesel? got diesel!

Schwein gehabt! ADAC abbestellt! Ab nach hause!

Bisbald, Euer Christoph

Fotos: Ralph-Eric Berg, David J. Becher, Daniela Landwehr

~ von vollplaybacktheater am Samstag, 11. Juli 2009.

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